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Artgemäße Tierhaltung von Schweinen |

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Erarbeitet im Rahmen des InfoSCHUL II - Projektes
"InfoFARM - Die Informationsplattform für Berufe im grünen Bereich" |
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zusammengestellt durch Auszubildende
des Ausbildungsberufes Landwirt/in im 3. Lehrjahr |
Ausbildungsbetrieb
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Claudia Thamm |
Ökologische Stadtgüter Leipzig |
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Mandy Gössel |
Ökologische Stadtgüter Leipzig |
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Peter Preissler |
Ragewitzer Agrarproduktions GmbH & Co.auch KG |
Vorbemerkungen:
In der jüngeren Vergangenheit ist das Thema "Artgerechte Tierhaltung" ein Thema, welches die Gemüter häufig erhitzt hat.
Aus aktuellen Anlass der BSE - Krise in Deutschland und unserer persönlichen Überzeugung haben wir diese Problematik aufgegriffen und unseren Projektbeitrag dahingehend orientiert.
Im Folgenden werden Begriffe erklärt, Gründe aufgezeigt und an positiven Beispielen der Leipziger Betriebe in Mölkau und Störmthal belegt, welches der richtige Weg einer artgerechten Tierhaltung sein könnte.
Wir sind uns im Klaren, dass jeder Tierhalter für sich entscheiden muss, welchen Weg er wählt und was das Richtige ist.
So kann dieser Projektbeitrag nur eine Orientierungshilfe für eine artgerechte Tierhaltung sein, um mögliche Alternativen aufzeigen
1. Begriff "Artgerechte Tierhaltung"
Was bedeutet "artgerecht"?
Prinzipiell ist eine artgerechte Haltung nicht möglich, da jedes Nutztier an einer begrenzten Örtlichkeit gehalten wird.
Wer will beurteilen was dem Tier gegenüber "gerecht" wäre?
Deshalb verwenden wir den Begriff artgemäß statt artgerecht.
Aber: Je tiergerechter, also artgemäßer, die Aufstallung ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Haltung nicht rentabel ist.
Nutztierhaltung muss wirtschaftlich sein !

Einflussfaktoren auf die Nutztierhaltung
Die Wirtschaftlichkeit ist individuell an den jeweiligen Betrieb angelehnt, da jede bäuerliche Betriebsstätte ein Organismus für sich ist.
Das heißt, jedes Unternehmen besitzt unterschiedliche Voraussetzungen und Umgebungsbedingungen, auf die es sich einstellen muss.
Ziel ist es, das berechtigte menschliche Interesse an der Tierhaltung mit den Bedürfnissen und Interessen der Tiere in Einklang zu bringen.
2. Gründe für artgemäße und ökologische Nutztierhaltung
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Ökologische Gründe: |
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Eine Viehhaltung, die sich an den Bedürfnissen des Tieres orientiert, vermeidet Belastungen der Umwelt.
Durch Bindung der Tierzahl an die vorhandene Nutzfläche wird die Überdüngung des Bodens und damit die Belastung der Luft und des Trinkwassers vermieden. |
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Gesundheitliche Gründe: |
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Die Verringerung des Fleischkonsums ist Voraussetzung für eine tiergerechte Haltung.
Wenn die Tiere gesund sind, kommt dies auch dem Verbraucher zugute. |
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Lebensmittelqualität |
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Ein Lebensmittel sollte gut schmecken, mit wenig Schadstoffen belastet sein und auf eine umweltverträgliche Weise hergestellt werden. |
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Volks- und Betriebswirtschaftliche Gründe |
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Eine tiergerechte Viehhaltung schont Boden und Trinkwasser und verhindert die derzeitige Überproduktion.
Die größere Robustheit der Tiere und der Verzicht auf Spaltenboden, Anbindehaltung und teure Technik reduzieren die Produktionskosten. |
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Politische Gründe |
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Fütterung unserer Nutztiere mit Grundnahrungsmitteln aus Ländern der Dritten Welt ist ethisch und moralisch nicht vertretbar. |
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Landwirtschaftliche Gründe |
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Erhalt historisch gewachsener und landschaftsprägender Bewirtschaftungsformen und geschlossener Nährstoffkreisläufe. |
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Psychische und ethische Gründe |
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Reduzierung der Tierbestände bewirkt Verbundenheit mit den Tieren, die unseren Respekt verdienen. |
Artgerechte Tierhaltung ist die Besinnung auch darauf was wir als Menschen den Tieren, von denen wir leben, schuldig sind!
3. Artgerechte Verhaltensmerkmale
Es ist möglich artgemäße Haltungsformen mit Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Einige Betriebsleiter haben ihr Denken umorientiert und sind auf den noch langsamen aber stetig schneller werdenden Zug aufgesprungen. Sie wollen
nicht mehr nur preiswerte Masse an Fleisch produzieren, sondern qualitativ gute Waren aus artgemäßer Haltung. Es ist mit Sicherheit schwierig, aber unter einen Hut zu bringen und einen Stall zu bauen, der die Voraussetzungen für die
artgemäße Haltung hat. Doch die besten Anhaltspunkte liefert uns die Natur, im speziellen das Wildschwein selbst. Aus dem natürlichen Verhalten der Schweine können einige Ableitungen getätigt werden.
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Funktionskreis des Verhaltens,
typische Merkmale |
Umsetzung konventionell
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Umsetzung artgemäß
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Lebensraum Wald:
Deckung,
Fressung,
Ruheplätze,
Mahlbäume,
Suhlen
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keine Trennung der Funktionsbereiche,
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kein Abferkelstall,
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Trennung der Bereiche im Wartestall,
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Mastbereich
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Trennung der Funktionsbereiche,
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große Abferkelbucht mit separatem Fressplatz und Auslauf,
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Trennung im Außengehege
(Gut Mölkau, Störmthal)
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Tiefstreu
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Tagesperiodik:
2-phasige Aktivität und tagaktive Tiere
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weniger Tageslicht (stallbedingt)
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2-malige Fütterung
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Mölkau: viel Tageslicht, 2-malige Fütterung
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Störmthal: mehr Tageslicht und ad-libitum Fütterung
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Sozialverhalten:
Mutterfamilie Gruppenhaltung,
differenziertes Sozialverhalten
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Gruppenhaltung nur im Wartestall, ansonsten Fixierung
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Mölkau: Gruppenhaltung,
aber zum Abferkeln die Umstallung in Einzelbuchten mit Auslauf,
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Störmthal: Gruppenhaltung komplett
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Mutter-Kind-Verhalten:
Isolation zum Abferkeln,
Nestbaumaterialen
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Isolation beim Abferkeln,
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keine Nestbaumaterialen, da Ferkelnest in Abferkelbuchten vorhanden
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Isolations-Bucht
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Nestbaumaterialen- Stroh
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ausgeprägter Mutterinstinkt
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Sexualverhalten:
ausgeprägtes Paarungsverhalten
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Sucheber,
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kein typisches Brunstverhalten möglich, da Fixierung und Besamung (Natursprung zu aufwendig)
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ausgeprägtes Brunstverhalten
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Natursprung
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Erkundungsverhalten:
Umgebungserkundung mit Rüssel
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eingeschränkt, da Fixierung im Abferkelstall,
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Deckzentrum möglich im Warte- und Mastbereich aber keine Materialen, da Spaltenböden
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ausgeprägt durch Einstreu im Tiefstreustall
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Fortbewegung:
bewegungsaktive Tiere
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im Mast- und Wartebereich
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in Störmtal möglich, da Tiefstreu
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in Mölkau-Ausläufe und Außengehege
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Nahrungsaufnahme:
Allesfresser, Konkurrenz
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Fertigmischung,
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Fressplatzabtrennung
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Fertigmischung in Störmtal-ad-libitum (jedes Tier, wann es will)
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Mölkau- Ration aus mehreren Komponenten z.B.: Beifüttern von Rüben, Treber, Grün-Pellets ...
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Ausscheidung:
Trennung von Kot- und Liegebereich
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Spaltenböden und Liegematten im Abferkel-, Mast- und Wartebereich
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Kotspalten im Abferkelbereich
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Tier trennt selbst (Mölkau und Störmtal)
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Komfortverhalten:
Scheuern, Suhlen
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Scheuerbürsten-Störmtal
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Suhlen in Außengehegen-Mölkau
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Ausruhverhalten:
geschützte Lage |
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Ställe,
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Hütten in den Außengehegen
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4. Beispiele für eine artgemäße Tierhaltung
Wir haben versucht, die typischen Merkmale aus dem Funktionskreis des Verhaltens auf den Stall zu assoziieren.
Unser kleiner Ausflug in die Agrar GmbH Störmthal-Seifertshain zeigt uns die Ferkelmast im Tiefstreustall -und wie die Bilder belegen nicht zuungunsten der Besitzer und der Tiere. Hier werden die Ferkel von 7 - 26 kg Lebendgewicht
aufgezogen (mit ad-libitum Fütterung an Trockenfutterautomaten sowie Nippeltränken).
Gelüftet wird der Stall über Kanäle und Schächte und erwärmt durch eine Gasheizung. Als weiteres Beispiel für artgerechte Tierhaltung haben wir die ökologischen Stadtgüter Leipzig gewählt, welche sich mit der
Ferkelzeugung und der Mastschweinehaltung beschäftigen.
Wir haben versucht, anhand von Bildern, einen Vergleich von konventioneller und artgemäßer Tierhaltung nach verschiedenen Kriterien zu erstellen.
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